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Friedrich-Hölderlin-Preis 2020 für Navid Kermani und Dana von Suffrin

Der Schriftsteller Navid Kermani wird für sein Gesamtwerk mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (Stiftung Cläre Janssen) ausgezeichnet. Den Förderpreis erhält Dana von Suffrin.

Der Schriftsteller Navid Kermani wurde für sein Gesamtwerk mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (Stiftung Cläre Janssen) ausgezeichnet. Oberbürgermeister Alexander Hetjes hat die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag, 01. November 2020, in der Schlosskirche überreicht. Den mit 7.500 Euro dotierten Förderpreis erhielt die Autorin Dana von Suffrin. „Wir sind sehr glücklich über diese Wahl, haben wir damit doch einen Mann und eine Frau, einen Orientalisten und eine Schriftstellerin mit jüdischen Wurzeln ausgezeichnet, besser geht´s nicht“, freute sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes. Die Auswahl der Förderpreisträger stehe sinnbildlich für die Weltoffenheit der Stadt Bad Homburg. Erstmals im diesjährigen Hölderlin-Jubiläumsjahr erhielten sowohl der Hölderlin-Preisträger als auch die Förderpreisträgerin zusätzlich zum Preisgeld die Möglichkeit, die Hölderlin-Wohnung in der Villa Wertheimber kostenfrei zu nutzen. Die Stadt verbindet damit die Hoffnung, die jeweiligen Preisträgerinnen und Presiträger den Bad Homburger Bürgerinnen und Bürgern näher zu bringen.

(v.l.n.r.) Oberbürgermeister Alexander Hetjes, Dana von Suffrin, Navid Kermani, Dr. Bettina Gentzcke, Fachbereichsleitung Kultur und Bildung | © Stadt Bad Homburg v. d. Höhe | © Vero Bielinski, Stadt Bad Homburg v. d. Höhe

Navid Kermani

 

Die Begründungen

„Seine intellektuelle Neugier hat den Schriftsteller, Essayisten, Orientalisten und Reporter Navid Kermani schon auf die verschiedensten publizistischen Felder geführt. Über das Verhältnis von Glauben und Gesellschaft schreibt der in Siegen aufgewachsene Autor iranischer Abstammung ebenso kenntnisreich wie über das ästhetische Erleben des Koran, den Rockmusiker Neil Young oder seine gefährlichen Reisen in die Krisengebiete unserer Zeit. Einen Kronzeugen für seine literarische Poetik, die nicht zuletzt in seinem autofiktionalen Roman ,Dein Name‘ (2011) im Kleinsten stets ein Abbild des Ganzen sucht, findet er in Friedrich Hölderlin. In seiner zeitgleich verfassten Frankfurter Poetikvorlesung ,Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe‘ feiert Kermani selbstreflexiv, aber auch selbstironisch seine Liebe zum Dichter. Dabei lässt er erkennen, warum es gerade kein Zufall ist, dass dieser ihn zu einer alles als gleichwertig betrachtenden Literatur inspiriert hat. Bei Navid Kermani treffen philologische Genauigkeit und literarischer Enthusiasmus aufs Schönste zusammen. Furchtlos wandelt er dabei auf dem schmalen Grat zwischen Inspiration und Reflexion, zwischen Intuition und analytischer Schärfe - ein literarisches Wagnis, das nur den Wenigsten gelingt.“

Dana von Suffrin

 

Die Begründungen

„Dana von Suffrins literarischem Debüt ,Otto‘ gelingt ein Erzählkunststück. Wie ist es, fragt der Roman anhand seiner Titelfigur, des Siebenbürger Juden Otto, wenn in einer Person zwei eigentlich unvereinbare Positionen zusammenkommen: die eines jener letzten Zeitzeugen der Shoah, deren Erinnerung so unverzichtbar ist für das Gedächtnis unseres Gemeinwesens; und die eines Tyrannen und Familienpatriarchen, den die beiden Töchter lieber heute als morgen loswerden möchten – und der dann doch auch wieder liebenswert ist. Mit dieser Konstruktion gelingt es Dana von Suffrin, die Schreckensgeschichte des 20. Jahrhunderts in einem Ton zu erzählen, der groteske, schwarzhumorige Komik mit existentiellem Ernst und Trauer verbindet. Der Roman ist eine Hommage an jüdische Erzähltraditionen, verbunden mit der Frage nach dem Platz des Jüdischen in der bundesdeutschen Gegenwart. Das Resultat ist ein in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur beglückend außergewöhnlicher Ton: intellektuell herausfordernd und zugleich anrührend.“

Der Friedrich-Hölderlin-Preis

Der Friedrich-Hölderlin-Preis wird seit 1983 jährlich von der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe gemeinsam mit der Stiftung Cläre Jannsen als allgemeiner Literaturpreis vergeben. Der Hauptpreis ist mit 20.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 7.500 Euro. Die Jury: Vorsitzende Sandra Kegel (F.A.Z.) sowie Oberbürgermeister Alexander Hetjes (Stadt Bad Homburg v. d. Höhe), Prof. Dr. Sabine Doering (Hölderlin-Gesellschaft), Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken (Freies Deutsches Hochstift), Prof. Dr. Heinz Drügh (Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt), Alf Mentzer (Hessischer Rundfunk) und Dr. Bettina Gentzcke (Fachbereichsleitung Kultur und Bildung). Außerdem ist der Hölderlin–Preisträger/die -Preisträgerin oder der Hölderlin-Förderpreisträger bzw. die –Förderpreisträgerin des Vorjahres Mitglied der Jury.

Von 2021 an wird Prof. Dr. Thomas Boyken (Hölderlin-Gesellschaft) den Platz von Prof. Dr. Sabine Doering übernehmen.

Der Festakt

Die Preise wurden bei einem Festakt am Sonntag, 01. November 2020, 11:00 Uhr, in der Schlosskirche in Bad Homburg v. d. Höhe überreicht.