Seated Figures, 2010
Eisenguss, Ex. 2/2, Installation von 9 Einzelskulpturen,
je H 300 cm x B 160 cm x T 96 cm
Leihgabe der Galerie Scheffel
Standort: Gustavsgarten
Die bogenförmig angeordnete Installation “Seated Figures” besteht aus neun überlebensgroßen sitzenden Einzelfiguren: abstrahierte menschliche Körper ohne Kopf und ohne Arme, die erhöht auf einer Art Sitzbock thronen, ohne dass ihre Füße den Boden berühren. Die Figuren sind unbekleidet, weder Geschlecht noch Alter lassen sich bestimmen. Zudem wird ihre scheinbare Körperlichkeit negiert durch die fehlende Gestaltung der Rückseiten: Jede der Figuren ist hohl, ohne Kern und Rücken sichtbar wie eine leere menschliche Hülle geformt – nur die Füße sind vollständig ausgearbeitet. Während die einzelnen “Seated Figures” aus der Ferne identisch wirken, erkennt man bei näherer Betrachtung, dass die faltige, strukturierte Textur ihrer Oberflächen, ihre „Haut“, jeweils individuell ausgestaltet ist – keine Figur gleicht der anderen. Das Fehlen von Kopf und Armen lässt die Gestalten anonym, hilflos und verletzlich erscheinen. Gleichzeitig sitzen die monumentalen Figuren in ihrer würdevoll aufrechten und streng einheitlichen, wie erstarrt wirkenden Haltung dem Betrachtenden mit eindringlicher Präsenz als überindividuell wirkende Gruppe gegenüber. „Seated Figures“ ist charakteristisch für das Werk der polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz. In ihrem plastischen Schaffen durchbricht sie vertraute Körperbilder: Sie gestaltet abstrahierte Fragmente, Mischwesen aus Mensch und Tier sowie kopflose schreitende, stehende oder sitzende menschliche Figuren, die sie häufig zu kleinen bis hin zu sehr großen Gruppen formiert. Ihre Arbeiten, so auch die „Seated Figures“, können als Reflexionen über die menschliche Existenz gelesen werden – über das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft,
über Identität und kollektive Erfahrung.