Figur, 2005
Bronze (Guss nach der Holzskulptur „Figur“)
H 279 cm x B 64 cm x T 45 cm
Erworben 2005
Standort: Museum Gotisches Haus, Skulpturengarten
Nach der Beschäftigung mit der klassischen Figur und vegetabilen Formen, wandte sich Steinbrenner in den 1960er Jahren der geometrischen Formensprache zu, wie sein Beitrag zur „documenta III“ („Große Holzfigur“, 1961) verdeutlicht. Der Weg führte ihn anschließend zur geometrisch-konstruktiven Formensprache, mit klar umgrenzten Flächen, Silhouetten, rechten Winkeln und kubischen Elementen. Seither tragen alle Skulpturen, die er schwarz fasste, den Titel “Figur”. Die Beschreibung der Bronze folgt der ursprünglichen, in Eichenholz ausgeführten „Figur“ (1988, Inv. Nr. V1988/0030). Ein senkrecht aufgerichteter Holzstamm wurde derart behauen, dass figurähnliche Elemente ihn strukturieren. Seine Oberfläche und Seitenteile sind asymmetrisch mit vor- und zurückspringenden Formen gegliedert. Ein von vorn betrachtet zurückspringender, hochrechteckiger Körper wird gestaltet durch vorspringende Kuben, die „Beine“, und einem davor quer gehaltenen „Figurenarm“. Auf dem Körper sitzt ein Kubus, der ihn wiederum kreuzt und einen „Kopf“ assoziiert. Die Rückseite zeigt nur eine Silhouette und verlangt nach einer Fläche, vor der die „Figur“, oder der „Wächter“, wie ihn Hans Steinbrenner nannte, stehen kann. Die Harmonie des Gesamteindrucks entsteht durch das vollendete Austarieren des Verhältnisses aller Teile zum Ganzen, durch das Spiel von Symmetrie und Asymmetrie, von Statik und Dynamik. Auch hier wird das Lasten und Tragen thematisiert, zugleich durch die bildhauerische Hervorhebung der Teile jedoch in Frage gestellt. Nachdem die Witterung der ursprünglich 1988 im Skulpturenpark am Gotischen Haus errichteten hölzernen „Figur“ zusetzte, plante Hans Steinbrenner, auf Wunsch der Stadt, 2005 einen Bronzeguss dieser „Figur“. Auch die Bronze, die deutlich die bearbeitete Holzoberfläche widerspiegelt, wurde von ihm schwarz patiniert. Entgegen der Holzskulptur, die sich heute im Museum Gotisches Haus befindet und deren Form noch immer vom Drehwuchs des Eichenstamms bestimmt wird und aktuell eine leichte Rechtsdrehung vollführen lässt, ist die im Skulpturengarten am Museum Gotisches Haus errichtete Bronze weiterhin streng zum Betrachtenden hin ausgerichtet.